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Skyline des britischen Parlaments mit Big Ben

Angehende Rechtsanwälte in England – Punktabzüge in der B-Note

17. April 2018 · Beitrag von Árni Anwaldson in den Kategorien: Vermischtes

Zum Thema Krawattenzwang (für Anwälte) in Deutschland hatten wir uns ja schon hier und hier geäußert. Jetzt sind wir auf einen englischen Blog-Beitrag gestoßen, der die hiesigen Regeln für die nicht-richterlichen Organe der Rechtspflege wie einen Kindergarten aussehen lässt.

Detailliertes System für Punktabzüge bei Prüfungen

Gut, 1-zu-1 sind die Regeln, die der Blog Legal Cheek gestern offengelegt hat, nicht auf die Situation in Deutschland zu übertragen. Schließlich geht es um die Prüfungsbedingungen von Absolventen der BPP Law School, einer Bildungseinrichtung der amerikanischen Apollo Education Group. Aber so ganz im luftleeren Raum schweben diese Regeln nicht, schließlich sollen die angehenden Anwälte ja ganz real auf die Situation vor Gericht vorbereitet werden.

Konkret werden u.a. diese Aspekte geregelt:

Kleidung

  • farbige Socken (Männer): -1 Punkt
  • unpassendes Hemd oder unpassende Krawatte: abhängig von der Schwere des Vergehens -1 oder -2 Punkte
  • berster Hemdknopf geöffnet: -2 Punkte
  • BH sichtbar: -3 Punkte

Schuhe

  • farbige Schuhe (Frauen): abhängig von der Schwere des Vergehens -1 oder -2 Punkte
  • nicht-schwarze Schuhe (Männer): -2 Punkte

Generelles Verhalten

  • Hände in den Hosentaschen: abhängig von der Schwere des Vergehens -1 bis -3 Punkte
  • Trinken aus einer Wasserflasche: -2 oder -3 Punkte
  • klingelndes Telefon: -3 Punkte

Weniger spezifisch können die Prüfling auch Punkte verlieren, wenn ihr Aussehen „allgemein schlecht“ ist – was beispielsweise „ungepflegte“ Haare oder „schmutzige“ Kleidung meint. Ebenso sei „unangemessener“ Schmuck, der zu viel Aufmerksamkeit auf den Träger lenke, zu vermeiden.

Und das Fazit?

Wir wollen uns hier nicht anmaßen, über ein altehrwürdiges Rechtssystem wie das britische zu urteilen – auch nicht über einzelne Elemente der Ausbildung. Wir halten aber sehr wohl fest, dass man mit widerspenstigen, strohblonden Haare beispielsweise Bürgermeister Londons und später Außenminister werden kann. Oder trotz unkonventioneller Kleidung und Haartracht ein weltweit bekannter und akzeptierter Stargeiger.

Ansonsten geben wir abschließend das Zitat eines BPP-Sprechers wieder, der gegenüber dem Daily Mail u.a. festhielt:

„It is exceptionally rare that any student is ever penalised in an assessment for any of the infringements listed“


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Über den Autor

Árni Anwaldson

Árni Anwaldson ist der Kolumnist der AnwVS. Mit spitzer Feder greift er Themen auf, die den hauseigenen Anwälten und sonstigen Mitarbeitern zu heiß sind. Er ist eine Kunstfigur, die durchaus Ähnlichkeit mit zwei oder drei bekannten Köpfen des Hauses hat…


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