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Urheberrecht: Der Affe Naruto und sein Selfie

20. Januar 2016 · Beitrag von Torsten Paßmann in den Kategorien: Vermischtes

Nach dem chinesischen Horoskop beginnt am 08. Februar 2016 (Neujahrstag) das Jahr des Affen. Dem Tierkreiszeichen werden einige sehr positive Eigenschaften zugeschrieben: Im Jahr des Affen Geborene gelten u.a. als intelligent, flexibel und erfinderisch. Auch sollen sie zu denen gehören, die Aufgaben nicht vor sich herschieben, sondern anpacken.

Ein sehr anpackendes Exemplar von Affe (was in diesem Fall wörtlich zu verstehen ist) war im Jahr 2011 jedenfalls der Makake Naruto. Er entwendete nämlich dem britischen Fotografen David Slater dessen Kamera, als dieser für eine Serie von Tierbildern auf der indonesischen Insel Sulawesi einen Zwischenstopp einlegte. Statt wie ein gewöhnlicher Dieb dann aber die Biege zu machen, machte der Makake eine Reihe von Selfies – die dann weltweit in den Social Media-Kanälen und der Online-Presse ordentlich steil gingen. Nach kurzer Zeit ebbte der Hype zwar naturgemäß wieder ab, dafür blieb der Fall aufgrund von rechtlichen Aspekten bei drei Parteien sehr präsent…

Urheberrecht: Fotograf vs. Wikipedia vs. PETA

Naruto: Selfie eines indonesischen Makaken
Der indonesische Makake Naruto beschäftigte erst einen britischen Fotografen und dann US-Gerichte.

Neben Slater positionierten sich noch Wikipedia und PETA:

  • Der Fotograf beklagte sich, dass ihm die breite Streuung der Bilder geringere Absätze im Buchverkauf beschert habe;
  • die Online-Enzyklopädie stellte sich auf den Standpunkt, die Selfies des Affen seien gemeinfrei, da sich Tiere nicht im Urheberrecht wiederfinden;
  • die Tierschutzorganisation dagegen meinte, Naruto müsse als Urheber und Eigentümer bestätigt werden (mit dem juristischen Winkelzug, dass das US-Urheberrechtsgesetz keinem Tier das Copyright verbiete) und reichte eine entsprechende Klage ein.

Am ausgewählten Gericht in San Francisco zeigte sich der Richter aber insbesondere von den PETA-Argumenten unbeeindruckt: Auch wenn der US-Kongress und der US-Präsident den rechtlichen Schutz auf Tiere ausweiten könnten, gäbe es keinen Hinweis darauf, dass dies beim geltenden Recht bereits so gemeint sei.

Was zeigt uns das? Affen können mit Kot schnipsen, Werkzeuge benutzen oder rechnen (bei manchen Aufgaben sogar deutlich schneller als Menschen) – aber ein Urheberrecht können sie nicht in Anspruch nehmen.

 

Bildquelle/Externe Links

Pixabay: Naruto (gemeinfrei / Public Domain)

 


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Über den Autor

Torsten Paßmann

Chefredakteur des Blogs. Verfügt über journalistische Erfahrung bei der Rheinischen Post und dem VentureCapital Magazin. War anschließend der Pressesprecher der Berentzen-Gruppe und steuerte dort auch die Investor Relations.


Eine Antwort zu “Urheberrecht: Der Affe Naruto und sein Selfie”

  1. Irgendwie witzig: Die „Terrorgruppe“ aus Berlin hat den Affen auf dem Cover ihres Comeback Albums. Dürfte damit wohl ziemlich kostengünstig sein…
    In den Teaser Videos auf YouTube sagen sie auch was zum Foto und wünschen sich, von dem Affen verklagt zu werden. Als erste Band überhaupt. Na ja, wird wohl nix – da hat der Richter wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht… Erstes Teaser Video: https://www.youtube.com/watch?v=5fboAP_JaJ4

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